Liebe Westroutenfahrer,
wir sind Anfang September 2015 im Rahmen der XWorld Africa die Strecke Lumbumbashi - Kinshasa - Brazza - Oueso - Kamerun gefahren.
Fahrzeuge VW Amarok, Reichweite im Gelände 600km.
Hier ein paar Infos dazu:
Generell:
Die Strecke kann mittlerweile in den Trockenzeit als brauchbare Alternative zu der Angoladurchquerung genutzt werden.
Streckenzustand RN1(von Süden):
Alle Flüsse sind mittlerweile überbrückt, man braucht keine Fähren mehr zu benutzen. Die Brücken können wegen Beschädigungen oder Reparaturen jedoch für mehrere Stunden bis zu mehreren Tagen gesperrt sein.
Wir haben die Grenze bei Mokambo ca 70km östlich von Kalumbalesa (dem "normalen" Grenzübergang) überquert, insgesamt problemlos, mit nur leichten Gängeleien (Fahrzeugdesinfektion 20U$ (mit Quittung) ) - empfehlenswert!
Grenze bis ca 150km nördlich Lubumbashi (Michelin Abzweig bei Nguba von der Strasse nach Kolwesi): Gute Teerstrasse
Ab Abzweig noch ca. 150km gut fahrbare breite Erdpiste (50km/h), danach Bauarbeiten und schlechte Gebirgsstrecke mit Auswaschungen etc. (20km/h)
Ab Luna kann man sich einreden, dass die Strecke evtl. etwas besser ist, aber nicht wirklich (20km/h), ab hier fangen die teilweise tief ausgefahrenen LKW Spuren an.
Die Tankstellen in Kamina sind beide geschlossen, tanken aus Kanistern möglich (2 - 2,5U$/Liter Diesel)
Ab Kamina zunächst etwas bessere Strecke, dann wieder tief ausgefahren, es gibt leicht findbare Umfahrungen die von den "Fahrradspediteuren" genutzt werden und für normale 4x4 ausreichend breit sind.
Von Mwene Ditu bis Mbuji Mayi sehr brauchbarer Teer. Mbuji Mayi relativ gute Versorgungsmöglichkeiten, Geldautomat und Tankstelle die teilweise geöffnet scheint.
Ab Mbuji Mayi zunächst tiefsandig mit LKW Spuren (MAN 8x8, Mercedes 6x6 Singlebereifung), im Verlauf besser werdend (ungefähr wie die Michelinkarte es zeigt, ab kurz vor Kananga Teer. Kananga ist erstaunlich städtisch, funktionierende Tankstelle mit Shop (kalte Getränke) 1,60U$/Liter Diesel.
Ab Kananga zunächst sehr brauchbare Erdpiste, dann wieder tiefsandig mit LKW Spuren, brauchbare Umfahrungen auf den Radlerstrecken.
In Tschikapa (Tankstelle) ist es geschafft, kritisch sind hier die zwei Brücken aus der Kolonialzeit, die Strecke danach gute Schotterstrasse und Teerstrasse im Bau. Der Lounge wird auf neuer großer Brücke überquert. Kurz hinter der Brücke bis Kinshasa TEER
Fahrzeit: Wir sind mit 5 Fahrzeugen 6 lange Fahrtage unterwegs gewesen, mit einem Fahrzeug ist man evtl. etwas schneller, da man an den Kontrollstellen weniger Zeit braucht.
Steckenbleiben: Ab und zu kann (wird?) es passieren, dass man die LKW Spuren nicht mehr rechtzeitig verlässt, mit einen Fahrzeug ist dann ein Highlift oder längere Schipperei nötig.
Sonstiges:
Bürokratie, Polizei, Kontrollen: Ab der Grenze und in der gesamten Region Lubumbashi sehr nervende Kontrollen, die sich darauf spezialisiert zu haben scheinen bei Fahrern von ausländischen Fahrzeugen massiv Geld einzufordern.Besonders der Abschnitt Lubumbashi - Grenze ist anstrengend… Evtl. besser direkt nach Osten zum Übergang bei Kasenga fahren.
Auch die Uniformträger in den anderen Ortschaften finden immer einen Grund ein ausländisches Fahrzeug anzuhalten, jedoch sind die Fragen nach Geschenken recht leicht zu parieren. Die Genehmigungen für die Bergbauregion Scheit nicht mehr nötig, auch wurden wir nie danach gefragt.
Ansonsten gibt es auf der Strecke mehrere Peage Stationen, der normale Preis sind 5000 Kongofranc, Kananga - Tschikapa 20.000, die Strecke Grenze - Lubumbashi kostet tatsächlich 50U$ (wir konnten es auch nicht glauben, ist aber so…) Bei allen peages gibt es eine Quittung und keine Schmiergeldforderungen.
An den Provinzgrenzen haben sich verschiedene Behörden eingerichtet (Polizei, Gendarmerie, Immigration) das komplette Eintragen der ganzen Personen und Fahrzeugdaten dauert etwas, selbstverständlich wird auch hier nach Geschenken gefragt, aber wenig aufdringlich.
Landschaft und Bevölkerung: Der schönste Teil ist die Bergregion zwischen Nguba und Luena, ansonsten führt die Strecke durch stark gerodetes Gebiet (die einzigen Produkte scheinen Maniok und Holzkohle zu sein). Die Menschen leben außerhalb der Städte sehr einfach und abgeschieden (kein Strom, kein Wasser, keine Satellitenschüsseln, keine Coca Cola Reklame, nur Werbung für Mobilfunkanbieter…). Es gibt nur sporadischen LKW Verkehr und die Fahrradspediteure die Holzkohle und Maniok in die Städte bringen und dann mit wenigen Konsumgütern zurück in die Dörfer kommen.
Kommunikation: Fast auf der gesamten Strecke Mobilnetz (teilweise sogar mit GSM).
Übernachten: Wir haben problemlos Campplätze außerhalb der Ortschaften gefunden und wurden Nachts auch nicht gestört.
Ab Kinshasa: Wir haben die Fähre bei Luozi genommen - sehr entspannt und mit nur einem Fahrzeug auch ohne Wartezeit. 13500 Congofranc (ausgeschildert und mit Fahrschein) Die Fähre bei Manianga (Michelin Karte) war nicht in Betrieb. Außerdem soll es in der Trockenzeit möglich sein die Brücke bei Matadi zu überqueren und dann nach Luozi und Boko zu fahren.
Grenze DRC - Dem Congo: vollkommen problemlos. Ausreise (Personen und Zoll) bei dem Ort mit der Schranke (Manianga?), Einreisestempel an einem Schlagbaum ein paar Kilometer hinter der Grenze. Wir sind der besseren Strecke (nicht nach Loko gefolgt) Zoll und zusätzliche Registrierung in Louingui. Ab hier bis Brazza Teer.
Ab Brazza bis Ouesso: Meist sehr guter Teer, in Ouesso mehrere Tankstellen (Totaltankstelle mit Shop…) und gute Versorgungsmöglichkeiten.
Ab Ouesso: Etwas zurück nach Westen, gute Teerstrasse durch sehr schönen Regenwald bis Seme, ab Sembe Traumurwaldpiste.
Ausreise Dem Congo in Cabosse, freundlich und problemlos
Einreise Kamerun: Direkt an der Grenze, die einzige Grenze an der der Inhalt unserer Fahrzeuge kontrolliert wurde, gibt einen guten Vorgeschmack auf die Kontrollparanoia in Kamerun (alles zu unserer Sicherheit…;))
Soweit - ich hoffe es angemessen beschrieben zu haben - es ist sicher immer noch ein Abenteuer, aber machbar.
Gerne nachfragen - ich werde versuchen qualifiziert zu antworten
Matthias