Mauretanien aktuell

Kultur, Natur, Unterkunft, Reiserouten, Sehenswürdigkeiten, Tourismus Staaten: Mauretanien, Mali, Niger, Tschad, Sudan, Süd-Sudan, Äthiopien, Somalia, Senegal, Gambia, Bissau, Guinea, Sierre Leone, Liberia, Cote d' Ivoire, Burkina Faso, Ghana, Togo, Benin, Nigeria, Kamerun, Zentralafrika, Eritrea, Djibouti

Moderator: Moderatoren

Antworten
RDrossel
Beiträge: 41
Registriert: Do 11. Sep 2008, 12:22

Mauretanien aktuell

Beitrag von RDrossel »

„Ihr fahrt nach Mauretanien? Ihr seid aber mutig. Habt ihr denn nichts von den ganzen Entführungen in Mauretanien gehört?“, hören wir immer wieder auf unserem Weg nach Süden von anderen Reisenden. Viele haben ihr Vorhaben nach Mauretanien zu fahren aufgegeben und bleiben die Zeit ihrer Reise in Marokko. Wir aber müssen durch Mauretanien, da Marokko nur 3 Ländergrenzen hat. Die nach Spanien, über die wir eingereist sind. Die Grenze nach Algerien, die jedoch „geschlossen“ (siehe unten: „Geschlossene Grenze Marokko-Algerien) ist und die Grenze nach Mauretanien. Wenn wir nicht nach Mauretanien reisen würden, müssten wir unsere Idee Rund Afrika zu fahren aufgeben.

Erstaunlich ist, dass fast alle Personen, die uns „Auskünfte“ über Mauretanien gegeben haben ihr „Wissen über Mauretanien nicht selbst erfahren, sondern von anderen gehört, bzw. von anderen gehört die jemanden kennen, der dort war und ihnen etwas erzählt hat, haben. Richtig ist, dass das auswärtige Amt vor „nicht unbedingt notwendigen Reisen nach Mauretanien“ abrät und in den letzten Monaten es 3 Fälle von Entführungen gegeben hat. Jedoch wurden diese Entführungen weder von Mauretaniern (bzw. nur als Helfer) durchgeführt und es wurden bislang auch noch keine reinen Touristen entführt.
Wir wollen uns jedoch selbst ein Bild machen. Warnungen hin oder her, so leicht lassen wir uns von unserem Vorhaben nicht abbringen.

Die Ausreise aus Marokko im Süden der Westsahara verläuft problemlos. Die Grenzbeamten fragen zwar nach einem „Geschenk“, sind jedoch auch ohne Geschenk freundlich und fertigen uns zügig ab. Nach der Grenze folgt ein ca. 3km breiter Streifen Niemandsland mit einer verheerend schlechten Piste. Ab der Grenze in Mauretanien fahren wir jedoch wieder auf einer sehr guten Teerstrasse. Auch die Einreise in Mauretanien verläuft problemlos. Die Grenzbeamten sind alle sehr freundlich und hilfsbereit. Nach der Grenze fahren wir nur wenige km bis kurz vor Nouadhibou und schlagen unser Nachtlager an einer Lagune auf, bevor wir am nächsten Tag nach Nouadhibou fahren.

Nouadhibou erstaunt uns. In der Stadt herrscht reges Treiben. Uns wurde vorab von anderen Reisenden erzählt, dass die Versorgungslage in Mauretanien derart schlecht sei, dass man mehr oder weniger überhaupt keine Lebensmittel kaufen kann. In Nouadhibou ist jedoch alles vorhanden was das Herz begehrt. Es gibt zahlreiche Marktstände mit frischen Früchten und hervorragendes Baguette, besseres als in Marokko, da die Marokkaner das Baguette anscheinend gänzlich ohne Salz zubereiten.

Wir stoppen an einem Marktstand und ich erkundige mich nach den Preisen für Bananen, Wassermelone und Orangen. Die Bananen kosten 100 UM, Orangen und Wassermelone je 200 UM pro kg erklärt mir die junge Verkäuferin. Ich wähle eine Wassermelone, 2,5kg Orangen und einige Bananen aus. Aus dem Augenwinkel kann ich erkennen, dass die Wassermelone ca. 3kg wiegt. Die Verkäuferin errechnet auf einem Stückchen Karton einen Gesamtpreis von 2.700 UM. Ich zögere, möchte handeln und biete ihr 2.000 UM an. Sie hat das Obst mittlerweile bereits in Tüten gepackt. „Nein, 2.000 UM seien viel zu wenig“. O.k., ich lege noch einen Kugelschreiber als Geschenk dazu. Sie lehnt jedoch ab und meint da würde sie drauflegen. Also gut: Ich packe das Obst wieder aus und lege die Melone auf die Waage. Die Melone hat gut 3kg, kostet also 650 UM. Die Orangen werden nochmals gewogen und wir kommen auf einen Preis von 550 UM, ebenso werden die Bananen nochmals gewogen und wir kommen auch bei den Bananen auf 550 UM. Mühsam notiert sie die verschiedenen Beträge wieder auf einem Stückchen Karton und rechnet die 3 Beträge zusammen. „Hm, dass ergibt 1.750 UM. Also gut, ich nehme die 2.000 UM meint die Verkäuferin“, „Pech gehabt Mädchen, jetzt bezahle ich nur noch den regulären Preis von 1.750 UM“. Sie gibt mir leicht zerknirscht mein Retourgeld heraus und möchte mir auch den Kugelschreiber zurückgeben. „Nein danke, den kannst du gerne behalten“, auch wenn ich meine, dass der Kugelschreiber weniger nützlich, sondern etwas Training im Kopfrechnen sinnvoller wären. :-)

Am anderen Tag machen wir uns auf den Weg Richtung Osten. Wir fahren noch ca. 60km auf einer Teerstrasse, bevor wir diese verlassen und die nächsten Tage auf einer Piste die auch immer wieder von Dünen und Weichsandfelder durchzogen ist entlang des Erzzuges 400km ins Landesinnere fahren.

Der Erzzug gilt als längster und schwerster Zug der Welt. Er befördert Eisenerz vom im Nordwesten Mauretaniens liegenden Eisenberg „Krediet ej Jill“ über eine Strecke von 600km zum Hafen nach Nouadhibou. Die Züge sollen aus bis zu 6 Lokomotiven und über 200 Lorenwagen bestehen. Lokomotiven haben wir max. 3 vor einem Zug gesehen. Lorgenwagen haben wir in einem Fall sage und schreibe 213 Stück gezählt. Etliche Züge haben auch einen Fahrgastwagen hinten angehängt, aber sparsame Menschen können auch kostenfrei auf den Lorenwagen mitfahren. Entlang der Bahnlinie kann man in wunderschönen Dünenfeldern übernachten und wir geniesen den aufgrund des fehlenden Streulichts dort sehr umfangreich sichtbaren Sternenhimmel. Die Züge kündigen sich durch ein bedrohlich wirkendes Brummen bereits lange Zeit bevor sie an einem vorbeifahren an. Das ächzen und quietschen der Loren wirkt Nachts wirklich gespenstisch und bedrohlich. Uns erstaunt auch, dass manchmal ein zischen durch den ganzen Zug fährt, der sich ähnlich wie ein Überschallflugzeug anhört.

Mauretanien ist übrigens ein sehr armer Wüstenstaat. Die gesamte Wirtschaft baut mehr oder weniger auf 2 grossen Bereichen, dem Fischfang und dem Eisenerzabbau auf. 1/3 der Deviseneinnahmen werden vom Eisenerz erwirtschaftet. Regen fehlt in diesem Land fast ganz und Landwirtschaft ist nur in ganz kleinem Ausmass möglich. Wasser für die Hauptstadt Nouakchott wird zum Beispiel aus einer Entfernung von über 60km per Pipeline geliefert und zahlreiche Städte werden durch Tankwagen mit Wasser versorgt. Der Tourismus könnte für dieses, immer wieder von Hungersnöten geschüttelte Land, ein wichtiger Einnahmefaktor sein, jedoch wurde dieser Bereich durch die Entführungen der letzten Monate auf weniger als 10% des Vorjahres dezimiert.
Die sehr sehr freundliche Bevölkerung leidet darunter. Im Dezember wurde extra ein Anti-Terrorismus-Gesetz verabschiedet, jedoch sind terroristische Aktivitäten (die lt. Auskunft der Einheimischen durch Ausländer organisiert werden) in einem Land 4 mal so gross wie die Bundesrepublik mit jedoch lediglich etwas mehr als 3 Mio. Einwohnern, sehr schwer zu verhindern. Terrorismus hat mit dem Islam nichts zu tun. Der Islam verbietet Gewalt gegenüber Zivilisten bekommen wir immer wieder zu hören und spüren auch nirgends Feindschaft, Neid oder Gewaltbereitschaft, sondern sind überrascht von der Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Fröhlichkeit der Mauretanier.
Für die Interessierten sei an dieser Stelle noch eine Abschnitt aus einer Koran-Sure zitiert: „Und dient Allah und setzt Ihm nichts an die Seite. Und seid gut zu den Eltern, den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem Nachbarn, sei er einheimisch oder aus der Fremde, zu den Kollegen, den Reisenden.....“ Sure 4,36
….. und hiermit möchten wir garantiert keinen zum Islam bekehren.

Ein paar Tage später verlassen wir die Nähe der Bahnlinie, fahren einige km auf einer Welblechpiste Richtung Süden, um dann einen Höhenrücken das Adrar-Gebirges (höchste Erhebung 855m) zu überqueren um in die Wüstenstadt Atar zu gelangen. Die höchste Erhebung Mauretaniens ist übrigens der Eisenberg Kediet ej Jil mit lediglich 915m.

Hier in Atar machen wir erst mal Urlaub bei Bab-Sahara und bringen unsere Web-Site auf den neusten Stand – auch mit Bildern – also dranbleiben.

Liebe Grüße
Ralf und Iris
www.the-dude.info
Coco und Jens
Beiträge: 34
Registriert: Mo 14. Sep 2009, 09:52
Wohnort: 61250 Usingen

Re: Mauretanien aktuell

Beitrag von Coco und Jens »

Ich kann Ralf und Iris nur zustimmen !

Sie haben uns einen Teil ihrer Reise begleitet, da wir ebenfalls mit unserem Magirus und weiteren KATs und 911er die ehemalige Ralleystrecke Paris-Dakar gefahren sind.

(@es war so schön mit Euch !!!)

Mauretanien ist ein tolles Land, in dem wir uns sehr sicher gefühlt haben.
Die Einreise ist unproblematisch und die vielen (Schauer-)Geschichten, die wir in Dakhla von Reisenden hörten, stammen von Leuten, die nicht nach Mauretanien gereist sind, sondern durch die Reisewarnungen ihre Pläne änderten.

Wir haben viele Reisende getroffen, auch ein Pärchen mit Kleinkind, das von Atar gen Süden nach Mali auf der Piste unterwegs war. Sie bekamen einen Militärgeleitschutz gestellt, kostenlos und ohne jegliche "Ankündigung" - was ebenfalls zu einem netten Teil ihrer Reise gehörte, so wie sie erzählt hatten !

Die Militär- und Gendarmeriekontrollen waren uns schon fast "zu" viel...aber stets sehr nett und freundlich.

Wir wären gerne länger geblieben :cry:
Alexander
Administrator
Beiträge: 24253
Registriert: Sa 30. Jul 2005, 19:12
Wohnort: Dubai/Vereinigte Arabische Emirate
Kontaktdaten:

Re: Mauretanien aktuell

Beitrag von Alexander »

Hallo Zusammen,

die diesem Bericht folgenden Beiträge habe ich abgetrennt und ins Beduinenzelt verschoben http://wuestenschiff.de/phpbb/viewtopic.php?t=42741

Grüsse
Alexander
The one who follows the crowd will usually go no further than the crowd. Those who walk alone are likely to find themselves in places no one has ever been before.

· · · Wüstenschiff-Veranstaltungsübersicht 2026 —> Alle Reise-Events auf einen Blick - Check it out !!!
· · · · · Werde Wüstenschiff-Werbepartner —> Firmen, die Wüstenschiff-Aktionen in Afrika unterstützen
· · · · · · · Geschlossene Gruppen —> Die neue Wüstenschiff-Funktion
martääh
Beiträge: 222
Registriert: Do 28. Sep 2006, 11:25
Wohnort: Graz

Re: Mauretanien aktuell

Beitrag von martääh »

bin schon gespannt, mit welchem fahrzeug ihr unterwegs seid wenn ich dann auf die homepage klicke.

"verheerend schlechte piste" zwischen den zwei zollämtern und dann via tmemichat und amira nach choum fahren :shock: :shock: :shock:
Coco und Jens
Beiträge: 34
Registriert: Mo 14. Sep 2009, 09:52
Wohnort: 61250 Usingen

Re: Mauretanien aktuell

Beitrag von Coco und Jens »

Soll ich es Dir verraten ?

Mit einem 170er Magirus Deutz

der helle weiss/blaue "The Dude" ...

wir waren mit dem blauen Mercur Doka dabei :D

3-4103085.jpg
4-4103086.jpg
5-4103087.jpg
martääh
Beiträge: 222
Registriert: Do 28. Sep 2006, 11:25
Wohnort: Graz

Re: Mauretanien aktuell

Beitrag von martääh »

ich habs schon gesehn :-)

finde die piste zwischen den zollämtern ganz geschmeidig, die dünenfelder zwischen ben amira und choum ... naja ... nicht so ;-)

2-snapkr65q.jpg

liegt wohl am fahrzeug. :)
RDrossel
Beiträge: 41
Registriert: Do 11. Sep 2008, 12:22

Re: Mauretanien aktuell

Beitrag von RDrossel »

lach - ich fahr lieber 50km durch Sandfelder als 2km auf so ner Piste.
Ja, ich glaub auch - das liegt am Fahrzeug :D

Liebe Grüsse vom Dude
Thomas_Rösner
Beiträge: 4
Registriert: Di 13. Apr 2010, 18:07
Wohnort: Göttingen

Re: Mauretanien aktuell

Beitrag von Thomas_Rösner »

Hallo, bin neu im Forum. Wollte einfach nur mal HALLO sagen.
Coco und Jens hat geschrieben:welchem fahrzeug ihr unterwegs seid
Ich glaube den "Grünen" habe wie letztes Jahr (28.8.) an der A7 gesehen ;-) ;-)

Bild

Wir standen genau daneben, fahren aber leider nur eine nichtgeländegängige Opakiste ;-)

Bild

Ist übrigens ein LT45 mit einem BaWeMo Aufbau aus 1989.

BTW, Mauretanien waren wir 2003/2004, aber auch nur per Anhalter und public transport (Spanien nach Ghana). Mit RIM verbinden uns eigentlich auch nur gute Erinnerungen, inkl. staubverkrustet und erzverseuchter Lunge in den offenen (leeren) Wagons des Erzzugs ;-)

Nur kurz zur Vorstellung (falls das hier überhaupt üblich sein sollte, wenn nicht SORRY:
Thomas & Andrea aus Göttingen (ANfang/Mitte 40). Leider keine Afrika-selbstfahrer. Kennen die Ecke aber trotzem relativ gut, waren in den letzten Jahren (seit Mitte der 80er) in ca. 50% der dortigen Staaten von Eritrea bis RSA wenigstens schon einmal per Rucksack unterwegs. Vielleicht später mal als Selbstfahrer, falls ich doch mal lernen sollte wie so ein Schraubendreher funktioniert ;-) Oder meine Frau lernt's

Gruß
Thomas & Andrea
Antworten