Fakt ist, daß in MA auf Pisten keinerlei Signalisation erfolgt, egal welche Rallye. auch die Dakar macht da keine Ausnahme. Wer die 1001 Zugangswege zu den großen Durchgangspisten kennt versteht auch, daß eine solche Kennzeichnung nicht wirklich machbar ist.
Zu den Punkten Deiner Empörung: das "settlement" am Brunnen (wir Reden hier doch vom Felskreis von Tafenna, oder?)ist nicht der Wohnsitz der Menschen, die sich dort aufhalten. Es handelt sich eigentlch um Schutzunterstände für Reisende, die von dieser einen Familie besetzt wurden, um dort tagsüber auf Touristenfahrzeuge zu warten. Das Familienmitglied mit dem Mofa sucht touristische Angebotsware an den Hängen. Hauptwohnsitz ist ein geräumiges Zelt südwestlich des Brunnens, von der Piste nicht zu sehen.
Hauptnutzer - und auch Ausbauer und Erhalter - der Pisten ist das marokkanische Militär. Bei den einheimischen Mofafahrern kann es sich um Soldaten der zahlreichen Posten östlich von Tafenna handeln, die mindestens bis auf den Westpass fahren müssen, um Handyempfang zu haben. Im Oued Mird selbst geht seit Jahren immer weniger, wer wohnt schon gern im militärischen Sperrgebiet? Auf ziviler Ebene ist das heute eher eine Gartenzugangspiste als eine Dorfverbindungspiste.
Zum Verhalten der Fahrer: klingt erst mal gar nicht gut. Wenn ich aber dann lese: "sie überholten mich neben der Piste", dann frage ich mich: warum bist du nicht einfach runter gefahren und hast die Adrenalingetriebenen passieren lassen? Das muß ja wohl an einer breiteren Stelle dieser teilweise sehr engen Piste geschehen sein.
Begegnungen mit einer Rallye sind in MA immer möglich und haben auch mir schon mehr als einen Reisetag ungeplant verändert Im Zweifel hilft nur, an den Rand fahren (Windrichtung beachten), Kaffee kochen und das Spektakel genießen. Oder die Rallye in Gegenrichtung an einer übersichtlichen Stelle (z.B. Oued Rheris bei Remlia) durchqueren - das garantiert Erinnerungen, die auch nach Jahrzehnten noch frisch sind
Auch wenn ich nicht unbedingt Pro-Rallye bin: sie können auch mal nützlich sein. Die Rallyepisten gehörten in der Westsahara zu den Ersten, die als minensicher galten.
Hallo Barbara,
es ist wirklich erfrischend einen zusammenhängenden Text zu lesen.
Die Organisatoren dieser Rennen sind seid Jahren mit dem Problem konfrontiert, daß nicht nur ihre eigenen Teilnehmer ums Leben kommen, aber vor allem Unbeteiligte, die nicht notwendigerweise auch Zuschauer waren. Die Absicherung der Strecken wäre meiner Auffassung nach unabdingbar. Wenn die Veranstalter nicht sicherstellen können, daß der Bereich gesichert ist und kein Aussenstehender gefährdet ist, können sie die Veranstaltung an dem Ort und in der Weise eben nicht durchführen.
Ich nehme an, daß Du mit mir überein stimmst, daß ein Veranstalter für die Sicherheit im Umfeld der Veranstaltung verantwortlich ist. Ansonsten würde er eben billigend in Kauf nehmen, daß andere zu Schaden kommen.
In den Tälern und Ebenen konnten wir am frühen Abend, nachdem die Sonne untergegangen war sehen, daß sich an verschiedenen Stellen Zelte oder Häuser mit Licht oder Feuer befanden, die man am Tag nicht sehen konnte, weil sie eben zu weit weg waren oder im Farbton der Umgebung untergingen. Unser Eindruck war, daß in der Gegend durchaus Berberfamilien leben. Wir haben selbst immer wieder mit Leuten gesprochen, Tee getrunken und Mandarinen gegessen.
Fakt ist, das dort zwischen Taouz und Tagounite neben den Einheimischen auch verschiedene Reisende unterwegs waren, die wir später in Tagounite getroffen haben, und die ähnlich irritiert waren. Die Region ist also nicht menschenleer. Für mich ergibt sich daraus die Verantwortung des Veranstalters, den Bereich ausreichend abzusichern.
Aus dem Veranstaltungsreglement geht hervor, daß die Teilnehmer sich verpflichten, den lokalen Verkehr zu respektieren. Den Eindruck hatten wir nicht.
Nehmen wir an, daß die Organisatoren die Strecke sehr genau kennen. Dann wären ihnen auch jene Engstellen (Berg-, Qued und felsige Passpassagen) im Streckenabschnitt bekannt, an denen die Fahrer einem anderen Fahrzeug nicht ausweichen können. Für diese Engstellen ließen sich durchaus Streckenposten aufstellen oder Markierungen anbringen, die auf das Rennen und deren Durchführungszeit hinweisen.
Die Posten an den Engstellen und Pässen hätten den Bereich übersehen können und ggf auch vor ankommenden Fahrzeugen warnen können.
Wenn an einem Ort durch den die Piste führt, Kinder herumlaufen, dann wäre dieser Ort vom Veranstalter zu sichern. Dort gehörte dann ein solcher Streckenposten hin. Offensichtlich ist dieser Ort dann auch bewohnt. Ob das Zelt nun hinter dem nächsten Fels liegt oder nicht.
Wir haben auf der gesamten Strecke von Taouz nach Tagounite weder einen Posten gesehen, noch irgendeinen Hinweis auf eine solche Veranstaltung bis zur Erstbegegnung mit einem Teilnehmer.
Die für uns kritischen Begegnungen spielten sich auf einem Bergpass ab, rechts der Abgrund und links die Bergschräge nach oben. Dabei war das erste Fahrzeug ein LKW, der bedrohlich nah auffuhr, jeden Sicherheitsabstand ignorierend. Durch Abbremsen und wiederholtes Auffahren und Lichthupe/Horn wurde uns signalisiert, daß wir ihm im Weg sind. Ich denke, daß ein sicherheitsbewusster Fahrer solche Verhaltensweisen unterlässt, wohl wissend, daß nur ein unkonzentrierte Moment von seiner als auch unserer Seite ausreicht, um einen für uns tödlichen Unfall zu verursachen. Nach einer längeren Passage ergab sich dann eine Möglichkeit, den LKW passieren zu lassen. Der zweite war ein agileres Fahrzeug, was nach einigem Hin- und Her die linke Bergschräge hinauffuhr und vor uns wieder auf die Piste. In Anbetracht von Unbeteiligten auf der Strecke ein durchaus riskantes Manöver.
Ich sehe nicht, wie sich ein solches Verhalten entschuldigen läßt. Unter solchen Umständen dann mit der Rennleitung am Abend in Tagounite zu diskutieren, hätte ähnliche Ergebnisse hervorgebracht wie mit Herrn Kiefer.
Du schreibst ja selbst, daß es keine Streckensicherung gibt. Aber vielleicht mag dem ja noch jemand widersprechen. Damit ist aber auch klar, daß sowohl Fahrer als auch Veranstalter das Risiko andere zu schädigen, zu verletzen oder in einen tödlichen Unfall zu verwickeln bewußt eingehen. Als Konsequenz, daß aus den Toten der Vergangenheit nicht gelernt wurde, als leere Worthülsen, Rechtfertigungsversuche und Kondolenzschreiben an die Hinterbliebenen, kann ich ich nur auf meine erste Forderung verweisen.
Im Übrigen finde ich den Gedanken an die minenfreien Pisten sehr attraktiv. In dieser Hinsicht gibt es ja noch viel zu tun. Walter Röhrl, Rennfahrerlegende, hat in Bezug auf die Toten der Paris Dakar Rallye gesagt, daß sie billigend in Kauf genommen werden und verglich die Rallye mit Russischem Roulette. Für Minenräumer ist die psychische Last und das Todesrisiko sicherlich höher, deswegen meine Empfehlung für mehr Adrenalin im Blut, anstelle sinnlos andere gefährden, einfach mal ein paar Minenfelder räumen. Das ist dann auch so wie Russisches Roulette und erfüllt einen wirklich guten Zweck.
...vielleicht haben die Behoerden die "Rallyegegend" ganz einfach informiert, dass da was unterwegs ist - eine Absperrung der Rallyepiste ist nicht realistisch. Wenn ich dann als Tourist mit meiner Nuckelpinne irgendwann ahnungslos auf die Stercke gerate und dort gemaechlich und vertraeumt vor mich hinzuckle, dann erschrecke ich natuerlich schon, wenn da ploetzlich jemand etwas schneller unterwegs ist. Mann muss Rallyes nicht moegen - aber Barbaras Vorschlag halte ich fuer weitaus den besten hier: Zur Seite stellen und den Zeigefinger auf den Ausloeser der Kamera druecken