MODERATOR-NOTE: Da die Reise-/Sicherheitshinweise für Guinea-Bissau seitens AA vollständig überarbeitet wurden, haben wir diesen neuen Thread gestartet. Die Hinweise vom 08.11.2005 - 06.06.2012 findet ihr unter: Reise-/Sicherheitshinweis Guinea-Bissau 08.11.2005 - 06.06.2012
Auswärtiges AmtDas Auswärtige Amt hat geschrieben: Guinea Bissau:
Stand 05.10.2012
Letzte Änderungen:
- vollständige Überarbeitung
Aktueller Hinweis
Im April kam es in Bissau zu einem Staatsstreich durch das Militär, bei dem die verfassungsmäßige Regierung abgesetzt wurde. Es kam zum Einsatz von Schusswaffen und Granaten. Im Mai wurde unter Vermittlung der ECOWAS eine zivile Übergangsregierung eingesetzt.
Auch wenn die Lage sich beruhigt hat, bleibt aber unübersichtlich. Die künftige Entwicklung ist nicht vorhersehbar, weitere gewaltsame Auseinandersetzungen sind möglich.
Bis auf Weiteres wird daher von nicht notwendigen Reisen nach Guinea-Bissau abgeraten.
Deutschen in Guinea-Bissau wird empfohlen telefonischen Kontakt mit dem Verbindungsbüro der deutschen Botschaft zu halten und sich über die aktuelle Sicherheitslage regelmäßig zu informieren.
Allgemeine Reiseinformationen
Politische Situation
Die Europäische Union und die Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder betrachten die nach dem Putsch eingesetzte Übergangsregierung als nicht legitim. Die politische Lage bleibt fragil. Nach Angaben der Übergangsregierung sind für März 2013 neuerliche Präsidentschaftswahlen vorgesehen.
Infrastruktur
Guinea-Bissau zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Nach seinem Bürgerkrieg in den Jahren 1997/1998 befindet sich das Land noch immer in der Wiederaufbauphase. Armutskriminalität oder schlechte Hygienestandards erfordern von Reisenden angemessene Vorsichts- und Verhaltensmaßnahmen.
Die Infrastruktur, insbesondere das Straßensystem in der Hauptstadt, hat sich in letzter Zeit verbessert. In der Gesamtschau bleibt sie jedoch unzureichend, so etwa im Energiebereich. Die zahlreichen Pisten und nicht befestigten Landstraßen im Landesinneren sind insbesondere in der Regenzeit nur mit geländetauglichen Fahrzeugen befahrbar. Eine regelmäßige Strom- und Wasserversorgung ist nicht garantiert. Die Müllabfuhr funktioniert derzeit in der Hauptstadt eingeschränkt.
Das touristische Potential, insbesondere der Bijagos-Inseln, wird aufgrund fehlender Infrastruktur (Straßen, Hotels, Elektrizität) und mangelnder Sicherheit kaum genutzt.
Minengefahr
Nach Aussagen des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen ist Guinea-Bissau seit Ende Dezember 2011 von Anti-Personen-Minen frei. Dies gilt auch für die Hauptstadt Bissau. Nur in den nördlichen Landesgebieten und Teilen des Südens bestehe nach wie vor Minengefahr.
Kriminalität
Die Straßenkriminalität in Guinea-Bissau ist in den letzten Jahren generell weniger geworden, nach dem Putsch aber wieder etwas angestiegen
Zur eigenen Sicherheit sollten dennoch nur geringe Bargeldbeträge und möglichst keine Wertgegenstände sichtbar am Körper mitgeführt werden. Zudem ist es ratsam, menschenleere Gegenden vor allem bei Dunkelheit zu meiden.
In Guinea-Bissau auch Aktivitäten von organisierter Kriminalität erkennbar. Betroffen sind vor allem die Küstengebiete sowie die Bijagos-Inseln.
Einreisebestimmungen für deutsche Staatsangehörige
Visum
Deutsche Staatsangehörige benötigen ein Visum zur Einreise nach Guinea-Bissau. Dieses Visum ist bei der guinea-bissauischen Botschaft in Brüssel oder Berlin zu beantragen. Nur in Ausnahmefällen ist ein entsprechendes Visum an der Grenze erhältlich. Visa für touristische Zwecke sollten grundsätzlich vorab bei der guinea-bissauischen Botschaft beantragt werden. Die Beantragung eines 360-Tage-Visums bei Botschaft von Guinea-Bissau in Brüssel ist möglich.
Reisedokumente
Die Einreise für deutsche Staatsangehörige ist mit folgenden Dokumenten möglich:
Reisedokumente Einreise möglich / Bedingungen
Reisepass Ja, Gültigkeit sechs Monate über Reise hinaus
vorläufiger Reisepass Ja,
Personalausweis Nein
vorläufiger Personalausweis Nein
Kinderreisepass Ja, Gültigkeit sechs Monate über Reise hinaus
Noch gültiger Kinderausweis nach altem Muster
(der Kinderausweis wird seit 1. Januar 2006 nicht mehr ausgestellt) Nein
Anmerkungen -
Kindereinträge im Reisepass eines Elternteils sind seit dem 26.06.2012 nicht mehr gültig. Jedes Kind benötigt ein eigenes Ausweisdokument.
Medizinische Hinweise
Impfschutz
Guinea-Bissau ist gemäß WHO Gelbfieber-Infektionsgebiet. Grundsätzlich ist die Impfung für alle Reisenden empfohlen, auch wenn bei direkter Einreise aus Europa keine Impfung verlangt wird. Eine gültige Impfung gegen Gelbfieber ist für alle Reisenden vorgeschrieben, die aus einem Gelbfiebergebiet sowie aus Djibouti, Madagaskar, Mosambik, Sambia und von den Kapverdischen Inseln einreisen, ausgenommen Kinder unter 1 Jahr. Siehe auch http://www.who.int .
Das Auswärtige Amt empfiehlt weiterhin einen Impfschutz gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis und insbesondere auch Poliomyelitis (Kinderlähmung) und Hepatitis A, bei Langzeitaufenthalt über 4 Wochen oder besonderer Exposition zusätzlich Hepatitis B, Tollwut, Typhus und Meningokokken-Krankheit (tetravalenter Impfstoff ACWY).
Die Standardimpfungen für Kinder entsprechend den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes http://www.rki.de sollten auf aktuellem Stand sein.
Malaria
Sowohl bezüglich Erkrankungsrate wie auch Sterblichkeit gehört Malaria zu den wichtigsten Erkrankungen in Guinea-Bissau. Die Übertragung erfolgt durch den Stich Blut saugender, nachtaktiver Anopheles Mücken. Unbehandelt verläuft insbesondere die gefährliche Malaria tropica (ca. 85 % der Fälle in Guinea-Bissau!) bei nicht-immunen Europäern häufig tödlich. Die Erkrankung kann auch noch Wochen bis Monate nach dem Aufenthalt ausbrechen. Beim Auftreten von Fieber in dieser Zeit ist ein Hinweis an den behandelnden Arzt auf den Aufenthalt in einem Malariagebiet notwendig.
Es besteht ein hohes Malariarisiko im ganzen Land. Eine Chemoprophylaxe (Tabletteneinnahme) ist zu empfehlen. Für die Malariaprophylaxe sind verschiedene, in Deutschland verschreibungspflichtige, Medikamente (z.B. Malarone®, Doxycyclin, Lariam®) in lokalen Apotheken nur z.T. erhältlich. Die Mitnahme eines ausreichenden Vorrats ist zu empfehlen. Die Auswahl der Medikamente und deren persönliche Anpassung sowie Nebenwirkungen bzw. Unverträglichkeiten mit anderen Medikamenten sollten unbedingt vor der Einnahme mit einem Tropenmediziner/Reisemediziner besprochen werden.
Aufgrund der mückengebundenen Infektionsrisiken wird allen Reisenden empfohlen:HIV / AIDS
- Körperbedeckende eher helle Kleidung zu tragen (lange Hosen, lange Hemden),
- tagsüber (Dengue-Fieber) und in den Abendstunden und nachts (Malaria!) Insektenschutzmittel auf alle freien Körperstellen wiederholt aufzutragen
- ggf. unter einem Moskitonetz zu schlafen
HIV/AIDS stellt auch in Guinea-Bissau ein großes Problem dar, nach Daten von UNAIDS sind schätzungsweise 3% der erwachsenen Bevölkerung (Alter 15-49 Jahre) infiziert. Bei Schwangeren sind 6% betroffen, bei Prostituierten vermutlich bis zu 30%. Durch hetero- und homosexuelle Kontakte, bei Drogengebrauch (unsaubere Spritzen oder Kanülen) und Bluttransfusionen besteht grundsätzlich ein hohes Risiko. Kondombenutzung wird immer, insbesondere bei Gelegenheitsbekanntschaften empfohlen.
Durchfallerkrankungen und Cholera
Cholera tritt immer wieder in Epidemien (zuletzt Ende 2008), aber auch sporadisch in geringerer Zahl, auf. Durch eine entsprechende Lebensmittel- und Trinkwasserhygiene lassen sich die meisten Durchfallerkrankungen und besonders Cholera vermeiden.
Einige Grundregeln
Ausschließlich Wasser sicheren Ursprungs trinken, z.B. Flaschenwasser. Im Notfall gefiltertes, desinfiziertes oder abgekochtes Wasser benutzen. Unterwegs auch zum Zähneputzen Trinkwasser benutzen. Bei Nahrungsmittel gilt: Kochen, Schälen oder Desinfizieren. Halten Sie unbedingt Fliegen von Ihrer Verpflegung fern. Waschen Sie sich so oft wie möglich mit Seife die Hände, immer aber nach dem Toilettengang und immer vor der Essenszubereitung und vor dem Essen. Händedesinfektion, wo angebracht durchführen, Einmalhandtücher verwenden.
Weitere Infektionskrankheiten
Schistosomiasis (Bilharziose)
Die Gefahr der Übertragung dieser Wurminfektion besteht beim Baden in Süßwassergewässernim gesamten Land. Baden im offenen Süßwasser sollte daher grundsätzlich unterlassen werden.
Dengue-Fieber
kommt vereinzelt vor. Dengue wird von der tagaktiven Mücke Stegomyia aegypti übertragen. Es lässt sich auf Grund der Symptome allein nicht sicher von Malaria unterscheiden. In wenigen Fällen können insbesondere bei Kindern der Lokalbevölkerung zum Teil schwerwiegende Komplikationen inkl Todesfolge auftreten. Da es derzeit weder eine Impfung bzw. Chemoprophylaxe noch eine spezifische Therapie gegen Dengue gibt, besteht die einzige Möglichkeit zur Vermeidung dieser Virusinfektion in Mückenschutzmassnahmen (s.o.).
Meningokokken-Krankheit
Die Meningokokken-Hirnhautentzündung (Meningitis) tritt sporadisch über das ganze Jahr verteilt auf, insgesamt aber seltener als in den Nachbarländern. Die Meningokokken-Impfung ist für Reisende mit einer Aufenthaltsdauer über 4 Wochen zu empfehlen. Auf die Verwendung eines Kombinationsimpfstoffes gegen die vier Meningokokken-Typen ACWY sollte geachtet werden.
Tollwut
Wird durch Biss und Speichel infizierter Tiere (meist Hunde, aber auch Fledermäuse, Affen oder andere Wildtiere) übertragen. Einziger möglicher Schutz ist die Impfung bzw. Tierkontakt zu meiden. Eine passive Impfung nach Biss oder Kontakt ist nicht erhältlich.
Medizinische Versorgung
Die medizinische Versorgung im Lande ist sehr eingeschränkt und mit Europa nicht zu vergleichen. Sie ist vielfach technisch, apparativ und/ oder hygienisch hoch problematisch. Für den Notfall kommen sehr wenige Einrichtungen in Bissau in Betracht. Ein zuverlässiger Ambulanzdienst existiert nicht. Die Zahl adäquat ausgebildeter Fachärzte ist sehr beschränkt und in der Hauptstadt konzentriert. Das Mitbringen von Medikamenten für eine Hausapotheke ist zu empfehlen und für Personen notwendig, die auf spezielle Medikamente angewiesen sind. Touristen, die nach Guinea-Bissau kommen, sollten eine zusätzliche Reisekrankenversicherung abschließen. Personen, die sich längerfristig in Guinea-Bissau aufhalten wollen, sollten über eine private Krankenversicherung verfügen, die Behandlungskosten vor Ort, aber auch in Deutschland abdeckt. Es wird der Abschluss einer Luftrettungsversicherung (Rückholung) bei einer Flug rettungsorganisation empfohlen.
Lassen Sie sich vor einer Reise nach Guinea-Bissau durch eine tropenmedizinische Beratungsstelle/einen Tropenmediziner/Reisemediziner beraten, beispielsweise http://www.dtg.org oder http://www.frm-web.de




