Zum ersten Mal sind wir - schweißtriefend und völlig fertig von der Tour - das perfekte Opfer für die Jineteros. Denken wir zumindest, als ein Typ mit goldenen Zahnverblendungen vor uns auftaucht und meint, wir sollen ihm folgen. Er wüsste wo wir schlafen könnten.
Ich hatte gerade angesetzt tief Luft zu nehmen und eine genervte Hasstirade loszulassen, als mein Reisepartner mich beschwörend ansieht und leise meint "es ist dunkel, es ist spät, ich kann und will nicht mehr, lassen wir einfach mit ihm gehen"

Ich bin sprachlos. Da ich aber auch total fertig bin, ist es mir ein stückweit egal. Ich will eine Dusche, etwas essen und dann nur noch schlafen.
Unser Jinetero schnappt sich mein Rad, meint der Weg sei zu steil jetzt für mich, und begleitet uns einen Hügel hinauf zu einem diffus beleuchteten Wohnhaus. Den Weg dorthin sehen wir kaum, es ist trotz vollem Mond einfach zu dunkel alles. Mit wenigen Worten übergibt er uns an einen Mann und eine Frau, unsere neuen Besitzer

Die Frau des Hauses schiebt mich vor sich her, zeigt mir kurz Schlafzimmer und Bad und meint, ich solle erst mal duschen gehen.
Frisch geduscht, wie neu geboren, wieder lächelnd und gut gelaunt begrüßen wir nun endlich unsere Gastgeber und stellen uns vor. Als wir auf ihre Frage, wo wir denn heute herkommen, antworten, reagieren beide völlig entsetzt. Von Palma Rubia bis hierhin mit dem Rad? Die Berge hoch? Jetzt ist beiden klar weshalb wir grußlos ihre Dusche benutzt haben und kaum noch Widerstand leisten konnten

Unser neuer Gastgeber namens Jesus ist Musiker bei den "Cantores de las Montañas" und wir fühlen uns sofort wie zu Hause bei den Beiden.
Unser "Jinetero" stellte sich also im nachhinein als hilfsbereiter Glücksfall raus, der zufällig am Straßenrand stand, als er uns ankeuchen kommen hörte und der wusste, wer im Ort ein Gästezimmer hat.
Am nächsten Morgen schauen wir uns erst einmal an, wo wir überhaupt wohnen

Das hätte schlimmer sein können, oder?
Sind wir im Allgäu ? Nein, wir sind immer noch in Kuba
Las Terrazas verdankt seinen Namen einem groß angelegten Wiederaufforstungsprojekt aus dem Jahr 1968, das schließlich dazu führte, dass die UNESCO die Sierra del Rosario als Biosphärenreservat ausgewiesen hat. Um in dieser Ecke des Höhenzuges die Erosion in den Griff zu bekommen, begann man damals mit Umweltschutzmaßnahmen und der Anpflanzung von 6 Mio. junger Bäume. Auf einem Areal mit einer Gesamtfläche von 50 km² legte man dazu auf einer Länge von 1.500 Kilometern Terrassen an - Las Terrazas war geboren.

- Foto: Matthias V.

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