Fern im Osten

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen: Reiseberichte zum Informieren und Träumen, fotografisch dokumentiert. In diesem Forum findet ihr Reiseberichte als "Fotostreckenführer" zu interessanten Reisewegen.

Moderator: Moderatoren

WolfgangA
Beiträge: 200
Registriert: Sa 29. Jan 2022, 18:31

Fern im Osten

Beitrag von WolfgangA »

So, nach 2 Jahren Pause will ich dem Forum wieder mal etwas Inhalt beisteuern. Allerdings erneut off-Topic, keine Wüste. Birgitt hat mir aber das Placet zum Berichten erteilt.

Nach Arabien, Island und Sri Lanka hat ein Unfall meine Reiselust etwas ausgebremst. Nun bin ich wieder recht intakt, und wage mich nach zwei Roadtrips in Europa erneut in die Ferne.

Ich habe mich zu 38 Millionen anderen Menschen in das angeblich größte Ballungsgebiet der Welt gesellt, sozusagen urbane Wüste.

Wie fasse ich nun 5 Tage Tokio zusammen?

Stadt, soweit das Auge reicht.

20250328-Japan-Tokyo-Shibuya-Shinjuku-0030a.JPG
20250328-Japan-Tokyo-Shibuya-Shinjuku-0606a.JPG

Menschenmassen.

20250328-Japan-Tokyo-Shibuya-Shinjuku-0196a.JPG
20250326-Japan-Guangzhou-Tokio-0160a.JPG

Öffis, die funktionieren. Dazu billig, perfekt organisiert und gut verständlich auch für Touristen sind, zur Not hilft Google Maps.

20250327-Japan-Tokio-Marunouchi-Ginza-0731a.JPG
20250330-Japan-Kamakura-0015a.JPG

Grell, bunt, laut, schräg.

20250328-Japan-Tokyo-Shibuya-Shinjuku-0462a.JPG
20250328-Japan-Tokyo-Shibuya-Shinjuku-0153a.JPG
20250331-Japan-Tokio-Ueno-Yanaka-Asakusa-0070a.JPG
20250328-Japan-Tokyo-Shibuya-Shinjuku-0668a.JPG
20250331-Japan-Tokio-Ueno-Yanaka-Asakusa-0656a.JPG
WolfgangA
Beiträge: 200
Registriert: Sa 29. Jan 2022, 18:31

Re: Fern im Osten

Beitrag von WolfgangA »

Zur Freude der Tokioter Kirschblüten allüberall.

20250327-Japan-Tokio-Marunouchi-Ginza-0504a.JPG
20250328-Japan-Tokyo-Shibuya-Shinjuku-0336a.JPG
20250330-Japan-Kamakura-0430a.JPG

Die Freude wird durch einen Kälteeinbruch von vorher gut 20 auf weniger als 10 Grad etwas getrübt.

20250329-Japan-Tokio-Eri-Uono-0232a.JPG

Ein bisschen historisch, aber eher versteckt.

20250327-Japan-Tokio-Marunouchi-Ginza-0137a.JPG
20250331-Japan-Tokio-Ueno-Yanaka-Asakusa-0308a.JPG

Kulinarisch.

20250401-Japan-Nikko-0079a.JPG
20250331-Japan-Tokio-Ueno-Yanaka-Asakusa-0684a.JPG

Ich bin allerdings erst am Anfang meiner kulinarischen Entdeckungsreise und nicht sicher, ob ich sie bis zum Ende gehen will.

20250331-Japan-Tokio-Ueno-Yanaka-Asakusa-0216a.JPG
20250331-Japan-Tokio-Ueno-Yanaka-Asakusa-0163a.JPG
WolfgangA
Beiträge: 200
Registriert: Sa 29. Jan 2022, 18:31

Re: Fern im Osten

Beitrag von WolfgangA »

Eine Flucht aus der Stadt bringt mich nach einer guten Stunde Zugfahrt nach Kamakura, 150 Jahre lang Hauptstadt eines Shogunats (=Militärherrschaft) im frühen Mittelalter. In dieser Zeit entstand der Zen-Buddhismus und dessen Tempel in Kamakura.

20250330-Japan-Kamakura-0538a.JPG

Ich bin verblüfft: wer Sri Lanka mitgelesen hat, erinnert sich an Buddhas einzig erhaltenen Zahn, der in Kandy als Reliquie verehrt wird. Nun besitzt der Engaku-ji-Tempel ebenfalls Buddhas Zahn. Hm.

20250330-Japan-Kamakura-0165a.JPG

Als Erholung von der Großstadt genieße ich den Wanderweg von einer guten Stunde zwischen den Tempeln. Auch Japaner wandern gerne und im Heimatland von Nikon, Canon, Sony begegne ich noch vielen Leidenschaftsgenossen mit richtiger Kamera.

20250330-Japan-Kamakura-0377a.JPG

Ziel der Wanderung und Kamakuras Hauptattraktion ist der große Buddha aus Bronze von 1252.

20250330-Japan-Kamakura-0409a.JPG
WolfgangA
Beiträge: 200
Registriert: Sa 29. Jan 2022, 18:31

Re: Fern im Osten

Beitrag von WolfgangA »

Diese Woche sind Frühlingsferien, hab ich mir sagen lassen. Hm.

20250401-Japan-Nikko-0067a.JPG

Ich bin mit kleinem Gepäck nach Nikkō am Fuß der Berge gefahren, um mir den Tōshō-gū-Schrein anzusehen.

20250401-Japan-Nikko-0160a.JPG

Wir sind im Jahr 1600. Shogun Tokugawa Ieyasu hat nach jahrzehntelangen Clan-Kriegen endlich Japan vereint und eine zentrale Regierung in Edo (=Tokio) installiert. Sein Enkel Iemitsu hat 1636 einen beeindruckenden reich verzierten Shinto-Schrein am Waldhang als Mausoleum für den Großvater errichten lassen.

20250401-Japan-Nikko-0296a.JPG

Das Original.

20250401-Japan-Nikko-0148a.JPG

Iemitsu hat auch für sich selbst ein Mausoleum vorgesehen.

20250402-Japan-Nikko-Tokio-0139a.JPG

Danach freue ich mich durchnässt und verfroren über ein gemütliches Futon-Bett …

20250401-Japan-Nikko-0329a.JPG

… und eine heiße Badewanne, Onsen genannt, in jedem Hotel vorhanden, Utensilien werden gestellt.

20250401-Japan-Nikko-0341a.JPG
20250404-Japan-Fuji-Magome-Tsumago-0731a.JPG
WolfgangA
Beiträge: 200
Registriert: Sa 29. Jan 2022, 18:31

Re: Fern im Osten

Beitrag von WolfgangA »

Bevor ich der Mega-City endgültig den Rücken kehre, muss ich noch eines dieser berüchtigten Kapselhotels testen. Übrigens ebenfalls mit Onsen.

20250402-Japan-Nikko-Tokio-0507a.JPG

Nachdem ich mich morgens, neben anderen eher jüngeren Travellern, aus meiner Schlafschachtel geschält habe, und bewundert habe wie auch junge Damen im Businesskostüm wie aus dem Ei gepellt dem Vorhang entstiegen sind, wechsle ich mein Fortbewegungsmittel und fahre jetzt Auto. Erste Aufgabe: die Stadt verlassen. Das dauert eine gute Stunde.

20250403-Japan-Fuji-026a.JPG

Toiletten haben oft beheizte Klobrillen, wie z.B. hier an der Autobahnraststätte. Nur das Klopapier ist Murks, aber stattdessen gibt es diverse Knöpfe, die für Reinigung sorgen.

20250403-Japan-Fuji-036a.JPG

Ich bin am Fuße des Fuji und sehe bisher nur Nebel. Auf der Straße nach oben kommt man auch nicht weit. Auch hier hat es die Tage zuvor nochmal frisch geschneit.

20250403-Japan-Fuji-108a.JPG

Das Straßenbild hat sich gewandelt. Elektriker mögen die Installationen bestaunen.

20250403-Japan-Fuji-196a.JPG

Neuer Tag, neues Wetterglück. Da steht er in voller Pracht, der Fuji, mit 3776 Meter höchster Berg Japans.

20250404-Japan-Fuji-Magome-Tsumago-0073a.JPG
20250404-Japan-Fuji-Magome-Tsumago-0144a.JPG
WolfgangA
Beiträge: 200
Registriert: Sa 29. Jan 2022, 18:31

Re: Fern im Osten

Beitrag von WolfgangA »

Als die Reise von Tokio nach Kyoto noch 18 Tage gedauert hat, anstatt gute zwei Stunden im Shinkansen-Schnellzug, führte der Weg durch das Kiso-Tal und durch Dörfer wie Magome und Tsumago, die den reisenden Samurai, Mönchen, Pilgern, Kaufleuten Unterkunft und Verpflegung und religiöse Erbauung angeboten haben. Die beiden Dörfer sehen noch so aus wie im 17. Jahrhundert, das Angebot richtet sich nun aber mehr an die Touristen.

20250404-Japan-Fuji-Magome-Tsumago-0379a.JPG
20250404-Japan-Fuji-Magome-Tsumago-0479a.JPG
20250404-Japan-Fuji-Magome-Tsumago-0665a.JPG

Eine gemütliche aber kurvige Fahrt auf Nebenstraßen durch die Berge …

20250405-Japan-Shirakawa-Takayama-0027a.JPG

… bringt mich anderntags in ein weiteres altes Bergdorf. In Shirakawa haben die Häuser steile Strohdächer, um die Schneelast zu bewältigen. Der Stil heißt "Gasshō" = Gebet, weil die Dächer an betende Hände erinnern. Das Dorf ist noch von 600 Menschen bewohnt. Alle paar Jahre muss ein Dach neu gedeckt werden, das ist dann eine Gemeinschaftsarbeit des ganzen Dorfs und dauert 3-4 Tage.

20250405-Japan-Shirakawa-Takayama-0044.JPG

Japanische Zimmermannskunst im Dachstuhl.

20250405-Japan-Shirakawa-Takayama-0200a.JPG

Im Haus ist stets eine zentrale offene Feuerstelle, deren Rauch auch das Dach konserviert. Ebenso ist stets ein Altar zu finden.

20250405-Japan-Shirakawa-Takayama-0244a.JPG

Japans Geologie ist ja stark von Vulkanismus geprägt. Daher gibt es überall im Land heiße Quellen, wie zum Beispiel in Hirayu auf 1300 Meter Höhe, wo man einfach am Straßenrand Eier kochen kann.

20250406-Japan-Hirayu-Matsumoto-Hakuba-0012a.JPG

Da gönne ich mir einen Besuch im Thermalbad, was logischerweise Hirayu Onsen heißt. Im heißen schwefeligen Wasser zu dümpeln, bei heute 4 Grad Außentemperatur, Nieselregen und noch meterhohen Schneeresten ringsrum, ist eine wohlige Sache, zieht aber den Kreislauf runter. Fotografieren ist natürlich verboten. Tätowierte müssen draußen bleiben.

Unten im Tal in kirschbaumtauglichen milderen Gefilden steht in Matsumoto eine Burg von ursprünglich 1504.

20250406-Japan-Hirayu-Matsumoto-Hakuba-0084a.JPG
20250406-Japan-Hirayu-Matsumoto-Hakuba-0128a.JPG
WolfgangA
Beiträge: 200
Registriert: Sa 29. Jan 2022, 18:31

Re: Fern im Osten

Beitrag von WolfgangA »

Im Skigebiet Happo One bei Hakuba haben Katja Seitzinger, Martina Ertl und Hilde Gerg 1998 olympische Erfolge gefeiert.

20250407-Japan-Hakuba-0238a.JPG

Die Lifttechnik wurde seither anscheinend nicht erneuert und besteht aus antiquierten Sesselliften ohne Fußstütze und mit drangetackerten Isomatten als Sitzpolster. Einer sogar ganz ohne Sicherheitsbügel. Erstaunlich in diesem Hightech-Land, wo sonst Sicherheit über alles geht.

20250407-Japan-Hakuba-0190a.JPG

Außer "dabei sein ist alles" hab ich keine olympischen Ambitionen und gehe es gemächlich an. Der Skiunfall vom letzten Jahr steckt mir noch in den Knochen. Im wahrsten Sinne des Wortes, woran jeder Body-Scanner am Flughafen piepsend erinnert. Mit dem berühmten hüfttiefen japanischen Pulverschnee ist es im April auch hier vorbei, aber es gibt noch ein paar schöne Firnpisten, und die Saison dauert noch bis zum 6. Mai!

20250407-Japan-Hakuba-0189a.JPG

Unterkunftsoptionen waren übrigens das Hotel Weißer Hof, die Brocken Hutte, das Rosenheim Hotel oder der Heidi Hof. Aber ich nächtige im Evo Hotel, da hat es lauter hippe junge Leute, da bin ich genau richtig. :wink:

20250407-Japan-Hakuba-0026a.JPG
WolfgangA
Beiträge: 200
Registriert: Sa 29. Jan 2022, 18:31

Re: Fern im Osten

Beitrag von WolfgangA »

Eine von Japans Hauptsensationen unterscheidet sich wie so oft in der Realität von den Internet-Anpreisungen, wo Japan-Makaken mit vereisten Brauen in dampfenden Thermalwasser im tiefverschneiten einsamen Wald dümpeln. Ich habe den Snow Monkey Park bei Nagano so vorgefunden.

20250408-Japan-Snow-Monkey-Park-Nagano-0218a.JPG

Aber das Teleobjektiv kann die Umgebung gut ausblenden und ich setze mich einfach eine Stunde an den Teichrand, ignoriere Selfie-Knipser und warte, wer mir alles so begegnet.

20250408-Japan-Snow-Monkey-Park-Nagano-0395a.JPG
20250408-Japan-Snow-Monkey-Park-Nagano-0502a.JPG

Nach einer Weile bequemen sich zwei oder drei doch noch ins heiße Thermalwasser.

20250408-Japan-Snow-Monkey-Park-Nagano-0337a.JPG

Onsen macht müde. Das kenn ich.

20250408-Japan-Snow-Monkey-Park-Nagano-0490a.JPG

Man weiß nicht, ob dem Kleinen die Behandlung gefällt.

20250408-Japan-Snow-Monkey-Park-Nagano-0534a.JPG

Aber an der Mutterbrust gefällt es ihm bestimmt. Und die Mama ist auch entspannt.

20250408-Japan-Snow-Monkey-Park-Nagano-0467a.JPG
WolfgangA
Beiträge: 200
Registriert: Sa 29. Jan 2022, 18:31

Re: Fern im Osten

Beitrag von WolfgangA »

In Nagano gebe ich mein Auto wieder ab. Es hat Spaß gemacht, damit eine knappe Woche durch die Berge zu gondeln, aber für die Weiterreise ist die Eisenbahn dann doch das bessere, schnellere und billigere Fortbewegungsmittel. Man braucht zum Automieten und Fahren übrigens eine offizielle japanische Übersetzung des Führerscheins. Das macht z.B. der ADAC in München für 70 Euro in 10 Tagen unter Einsendung des Originals. Oder direkt die Japan Automobile Federation (JAF) via Online-Formular, Fotos des Führerscheins, 25 Euro via Kreditkarte, in angeblich 3-5 Tagen, bei mir war es nach einem Tag fertig. Die Übersetzung kann dann in jedem 7-Eleven-Laden in Japan am Kopierer ausgedruckt werden. Das Online-Formular funktioniert nur in Japan. Falls man das Dokument schon am ersten Tag braucht, kann man via VPN so tun als ob und direkt nach Ankunft am Flughafen ausdrucken.

Ich steige in den Shinkansen, die Mutter aller Hochgeschwindigkeitszüge, auch Bullet Train genannt.

20250410-Japan-Nagano-Kyoto-0069a.JPG

War Nagano ruhig und beschaulich, so ballen sich in Kyōto nun die Touristen. Das ist auch kein Wunder, war Kyōto schließlich 1000 Jahre lang Sitz des kaiserlichen Hofs, auch wenn dieser nicht die ganze Zeit die Macht innehatte (sondern Shogune in Kamakura im 12. Jahrhundert oder in Edo im 17. Jahrhundert, ich sprach bereits darüber). Somit ist die Stadt voll von Tempeln, Schreinen, einem Kaiserpalast und Altstadtvierteln und gilt als kulturelles Zentrum Japans.

Es heißt, man soll früh dran sein, um den Menschenmassen zu entgehen. 8:00 ist offensichtlich nicht früh genug. Der Kyimisu-dera-Tempel ist der beliebteste von allen, hoch am Hang, 1633 auf Stelzen ohne Nägel erbaut.

20250411-Japan-Kyoto-0175a.JPG

Im Chion-in-Tempel hängt Japans angeblich größte Glocke, die 70 Tonnen wiegt und an Silvester von 17 Mönchen geschlagen wird.

20250411-Japan-Kyoto-0357a.JPG
20250411-Japan-Kyoto-0403a.JPG

Der Ginkaku-ji ist ein Ort des Zen-Buddhismus, was man an dem schönen Kiesgarten sieht.

20250411-Japan-Kyoto-0554a.JPG

Schön, wie es nun überall grünt, wie hier beim Eikandō-Tempel. Handschuhe und Mütze sind im Koffer nach unten gewandert.

20250411-Japan-Kyoto-0656a.JPG

Abends begebe ich mich nochmals zum Kyimisu-dera-Tempel, nun in schönerem Licht als heute morgen. Die Menschen ballen sich vor allem hier und in den zwei, drei hinaufführenden Gassen, die aber auch klischeehaft schön sind.

20250411-Japan-Kyoto-0870a.JPG
20250411-Japan-Kyoto-0931a.JPG
WolfgangA
Beiträge: 200
Registriert: Sa 29. Jan 2022, 18:31

Re: Fern im Osten

Beitrag von WolfgangA »

Am Westrand der Stadt in Arashiyama ist es anderntags zunächst deutlich ruhiger und auch viel ländlicher. Im Daikaku-ji sind Blumenarrangements ausgestellt.

20250412-Japan-Kyoto-0020a.JPG

Und man kann in wunderbarer Ruhe um den See spazieren.

20250412-Japan-Kyoto-0109a.JPG

Im Adashino Nenbutsu-ji finden sich 8000 kleine verwitterte Stein-Buddhas als Gedenksteine für namenlose Verstorbene ohne Angehörige.

20250412-Japan-Kyoto-0229a.JPG

Im Nison-in bin ich fast alleine, Bienen summen über frisch sprießenden Ahornblättern, Vögel zwitschern, welch Kontrast zu gestern.

20250412-Japan-Kyoto-0390a.JPG

Ich darf sogar ausnahmsweise im Tempelinneren fotografieren, wo zwei Statuen für Buddha im Diesseits und für Buddha im Nirwana stehen und somit den Beginn und das Ende des Lebens symbolisieren.

20250412-Japan-Kyoto-0316a.JPG

Aber dann treffe ich auf 200 Metern Weg durch einen Bambuswald doch wieder all die anderen.

20250412-Japan-Kyoto-0449a.JPG

Ebenso im Kinkaku-ji, wo der goldene Pavillon aber auch außerordentlich schön anzusehen ist.

20250412-Japan-Kyoto-0622a.JPG

Im Zen-Garten vom Ryoan-ji tanke ich die notwendige Ruhe und Geduld für die fast eine Stunde lange Rückfahrt mit dem Bus. An der Haltestelle steht schon eine lange Schlange, die notgedrungen auf dem Fahrradweg warten muss. Ich muss zwei Busse durchlassen, bis ich mitkomme. Der Bus ist gerappelt voll mit Touristen, ein Kinderwagen (auch von Touristen) versperrt den Gang. Man muss hinten ein- und vorne aussteigen und dort bezahlen (Fixpreis 1,40 Euro, Münzeinwurf oder Geldwertkarte) und die armen Japaner müssen sich von hinten nach vorne durch die Menge quetschen. Kyōto scheint mit den Touristenmassen am oder über dem Limit zu sein, auch was die Infrastruktur angeht. Aber ich bin natürlich selber einer und somit mitschuldig.

20250412-Japan-Kyoto-0564a.JPG
WolfgangA
Beiträge: 200
Registriert: Sa 29. Jan 2022, 18:31

Re: Fern im Osten

Beitrag von WolfgangA »

Nun hat sich der Frühling die letzten beiden Tage so schön entfaltet, aber heute will es wieder regnen. Für einen Rundgang durch den Kaiserpalast bleibt es zunächst noch trocken. Der ist weit weniger prunkvoll als Versailles oder Schönbrunn. In Japan sitzt auch der Kaiser auf Bambusmatten in unmöblierten Räumen.

20250413-Japan-Kyoto-0065a.JPG

Das Nijō-Schloss wurde von den Shogunen Ieyasu und Iemitsu, die wir schon aus Nikkō kennen, in der Nähe das Kaiserpalasts erbaut, um ihre faktische Militärmacht zu demonstrieren. 250 Jahre später hat der letzte Shogun Yoshinobu ebenda die Macht ans Kaiserhaus zurück gegeben.

20250413-Japan-Kyoto-0219a.JPG

Damit auch jedes Japan-Klischee fotografiert ist, begegnet mir auf dem Weg zum Abendessen eine echte Geisha.

20250413-Japan-Kyoto-0411a.JPG

Bevor ich weiterziehe, fehlt noch Kyōtos Höhepunkt, der Fushimi Inari. Inari ist der Shinto-Gott für den Reis, dem hier ein ganzer Berg mit unzähligen Schreinen geweiht ist. 10.000 orangerote Tore überspannen den 4 Kilometer langen Weg hinauf zum Gipfelschrein, mit Lücken zwar, aber die meiste Strecke durchschreitet man Tortunnel.

20250414-Japan-Kyoto-0255.JPG

Der Shintoismus ist Japans uralte einheimische Religion ohne Gründer und ohne niedergeschriebenen Lehren. Man glaubt an eine Vielzahl von Göttern, die diverse Naturphänomene personifizieren. Der Buddhismus kam im 6. Jahrhundert über China nach Japan, mit dem Personenkult um seinen Gründer Siddhartha Gautama = Buddha. Der wurde kurzerhand als weitere Shinto-Gottheit adaptiert und somit koexistieren beide Religionen, ohne dass die Menschen sich explizit der einen oder der anderen zugehörig definieren. Je nach persönlichem Gusto und Anlass betet man mal im buddhistischen Tempel, mal im Shinto-Schrein. Hochzeiten und Neujahr sind Shinto-Domäne, Beerdigungen sind buddhistisch. Achja, und ca. 1% Christen gibt es auch.

Ich versuche, diesmal noch früher dran zu sein und stehe schon um zehn nach sechs am Einstieg. Alleine bin ich nicht, aber mit etwas Geduld öffnen sich hin und wieder Lücken im Menschenstrom für ein schnelles Foto.

20250414-Japan-Kyoto-0088.JPG
20250414-Japan-Kyoto-0208.JPG
20250414-Japan-Kyoto-0185.JPG

Die Schreine sind flankiert von zwei Füchsen, den Nachrichtenüberbringern des Gottes Inari.

20250414-Japan-Kyoto-0269.JPG

Die historischen Bauten in Kyōto sind aus Holz. Allerdings sind die meisten nicht steinalt, sondern "nur" aus dem 17., 18. oder 19. Jahrhundert. Viele Tempel wurden zwar schon im 8. Jahrhundert gegründet, sind dann aber mal abgebrannt oder sonst zerstört worden, so dass die heutigen Bauten aus der Edo-Zeit stammen oder noch neuer sind. Mit Ausnahme der Pagode am Daigo-ji-Tempel, der älteste erhaltene Holzbau der Stadt aus dem Jahr 951. Die damaligen Zimmerleute haben ganze Arbeit geleistet und gut gepuzzelt. Ich stelle es mir schwierig vor, einen morschen Balken auszutauschen, ohne die ganze Pagode auseinander zu nehmen.

20250414-Japan-Kyoto-0553.JPG
WolfgangA
Beiträge: 200
Registriert: Sa 29. Jan 2022, 18:31

Re: Fern im Osten

Beitrag von WolfgangA »

Nachdem ich Japans glorreiche Geschichte hinter mir gelassen habe, bin ich in Kyōtos Nachbarstadt Osaka sozusagen zurück in der Zukunft.

20250415-Japan-Osaka-0350a.JPG

Aber ein bisschen Vergangenheit gibt es auch hier, in Form einer mächtigen Burg, ursprünglich erbaut im Jahr 1583.

20250415-Japan-Osaka-0030a.JPG

Rieselnd verabschiedet sich allmählich die Kirschblüte am unüberwindbaren Burggraben, bei heute ausgesprochenem Aprilwetter.

20250415-Japan-Osaka-0057a.JPG

Im Stadtteil Dotonbori ist wieder alles bunt, grell und laut.

20250415-Japan-Osaka-0468a.JPG

Die Abendessenauswahl wird einem nicht leicht gemacht.

20250415-Japan-Osaka-0527a.JPG
WolfgangA
Beiträge: 200
Registriert: Sa 29. Jan 2022, 18:31

Re: Fern im Osten

Beitrag von WolfgangA »

In Osaka wurde am 12. April die Expo 2025 eröffnet. Wer meinen Bericht aus Dubai von 2022 mitgelesen hat, weiß, dass ich ein Fan dieser Veranstaltung bin und deshalb natürlich erneut hingehen muss.

20250416-Japan-Osaka-Expo-0271a.JPG

Japan stellt Kreislaufwirtschaft in den Vordergrund und zeigt, dass man aus Algen mehr machen kann als nur das Suppengrün in der hiesigen Nudelsuppe. Algen absorbieren 14-mal mehr CO2 als die Japanischen Zedern, ergeben 14-mal mehr Öl als Sonnenblumenkerne, produzieren 36-mal mehr Protein als Sojabohnen und mit der gleichen Menge an Wasser 50-mal mehr Protein als Rindfleisch.

20250416-Japan-Osaka-Expo-0060.JPG

Auch in Deutschland ist alles rund und dreht sich um Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Städte und CO2-freie Energie und Mobilität. Muss ja, Auftraggeber ist Robert Habecks Wirtschafts- und Klimaschutz-Ministerium. Der Name "Wa Germany" wird wie folgt erklärt: "“Wa” has three meanings in Japanese: “Wa 輪” means “circle” to express circulation, “Wa 和” means “harmony”, and “Wa わ” means “wow” to express wonder."

Baden Württemberg hat übrigens keinen eigenen Pavillon mehr wie damals in Dubai.

20250416-Japan-Osaka-Expo-0319a.JPG

Auch Dubai und die Emirate sind natürlich wieder vertreten, ebenso Saudi Arabien, Oman, Katar, Bahrain, Kuweit und Jordanien.

20250417-Japan-Osaka-Expo-0174a.JPG

Die Welt ist nicht genug. Mit den USA kann man zum Mars fliegen. Erstaunlicherweise ist in den typisch amerikanisch überschwänglichen Präsentationen die meistgenutzte Vokabel "together", und internationaler Austausch und Zusammenarbeit werden betont. Mal sehen, ob der Pavillon bis zum Expo-Ende im Oktober durchhält oder vorher Elons Rotstift zum Opfer fällt.

20250417-Japan-Osaka-Expo-0070a.JPG

Das Gelände umschließt ein Ring von 2 Kilometern Umfang zum Promenieren, komplett aus Holz gebaut und eine Sensation für sich.

20250416-Japan-Osaka-Expo-0260.JPG
20250416-Japan-Osaka-Expo-0553a.JPG
WolfgangA
Beiträge: 200
Registriert: Sa 29. Jan 2022, 18:31

Re: Fern im Osten

Beitrag von WolfgangA »

Ich habe die Expo-Blase verlassen und bin wieder zurück in Japan. Zum Durchatmen dient ein gemütlicher Halbtagsausflug erneut in Japans Vergangenheit. Nara vor den Toren Osakas war sogar noch vor Kyōto von 710 bis 785 Hauptstadt Japans. Aus dieser Zeit stammen die Tempelanlagen, die bestehenden Bauten sind allerdings wegen Bränden und Zerstörungen jünger.

Zur Freude der Touristen lungern in den Parks und um die Tempel unzählige zahm-wilde Sikahirsche herum, die aufgrund einer Legende als Helfer der Götter gelten.

20250418-Japan-Nara-Osaka-0108a.JPG

Zur Freude der Hirsche verteilen die Touristen großzügig Futter und Streicheleinheiten.

20250418-Japan-Nara-Osaka-0120a.JPG

Der riesige Tōdai-ji-Tempel, neu aufgebaut im Jahr 1708, gilt als das größte Holzgebäude der Welt (neuerdings übertroffen von der Ringpromenade auf der Expo, aber ich finde das gilt nicht).

20250418-Japan-Nara-Osaka-0228a.JPG

Er beherbergt eine ebenso riesige Buddhastatue. Beides beeindruckt mich aufgrund der schieren Größe.

20250418-Japan-Nara-Osaka-0174a.JPG

Wer durch dieses Loch in der Säule schlüpfen kann, hat laut Aberglaube ein gutes Jahr vor sich und kommt der Erleuchtung näher. Wer es nicht kann, bleibt stecken.

20250418-Japan-Nara-Osaka-0200a.JPG

Zum Abendessen in Dotonbori verspeise ich Okonomiyaki, einen Riesenpfannkuchen, direkt vor meiner Nase gebraten.

20250418-Japan-Nara-Osaka-0357a.JPG
WolfgangA
Beiträge: 200
Registriert: Sa 29. Jan 2022, 18:31

Re: Fern im Osten

Beitrag von WolfgangA »

Ich bin enttäuscht und habe gleichzeitig Heimatgefühle: soviel zur Legende, die japanische Eisenbahn sei stets auf die Minute pünktlich.

20250419-Japan-Himeji-Hiroshima-0058a.JPG

Ich unterbreche die Weiterfahrt, um die Burg von Himeji gründlich zu besichtigen, und freue mich über die Idee, meinen Koffer per Transportdienst zum nächsten Hotel bringen zu lassen, anstatt ihn über lange U-Bahn-Gänge, Rolltreppen und Bahnsteige zu ziehen und in Himeji ein Schließfach suchen zu müssen.

20250419-Japan-Himeji-Hiroshima-0379a.JPG

Die Burg ist eines der ältesten erhaltenen Bauwerke aus dem Japan des 17. Jahrhunderts und hat den Beinamen "Weißer-Reiher-Burg“ wegen der weißen Außenmauern und Dächern.

20250419-Japan-Himeji-Hiroshima-0319a.JPG

Auch Samurais brauchen mal eine Kampfpause. Wahrscheinlich sollten sie die Burg gegen die Touristen verteidigen, mussten aber angesichts der Übermacht kapitulieren.

20250419-Japan-Himeji-Hiroshima-0082a.JPG
Antworten