markus-1969 hat geschrieben:1) Ist es das Recht eines Staates, sich selbst zu verteidigen und gilt dies vor allem dann, wenn ein anderer Staat unberechenbar ist ?
Verteidigung ist es, wenn man konkret angegriffen wird. Wenn man mit einem konstruierten Vorwand ein Land angreift (siehe Irak), dann ist das keine Selbstverteidigung. Gleiches droht wohl wieder beim Iran. Welche Bedrohung stellt der Iran für die USA dar? Weder hat er Atombomben noch hat er Raketen die auch nur ansatzweise die USA erreichen können.
markus-1969 hat geschrieben:2) bringen mehr Waffen mehr Probleme ? Der Kalte Krieg brachte Frieden obwohl man einige Male den Finger am Abzug hatte (in der DDR standen etwa mit scharfen Atomwaffen beladene Jets mit laufenden Motoren startklar)
Der Kalte Krieg brachte keinen Frieden. Er brachte ein Stillhalten - so etwas wie Waffenruhe. Das ist etwas gravierend anderes als Frieden. Ein atomares Waffen-Gleichgewicht schafft so lange Waffenruhe, bis ein Wahnsinniger oder eine gravierende Fehlinformation kommt.
markus-1969 hat geschrieben:3) Trump scheint mit seinem Vorgehen in Korea Erfolg zu haben:
Das macht mich ganz verrückt, dass das auch in vielen Medien suggeriert wird. Trump glaubt wohl ernsthaft, dass Nordkorea nun verhandeln will, weil er Trump Nordkorea (vermeintlich) so großen Druck gemacht hat. Schließlich hat er, Trump, Nordkorea auf Twitter mit einem größeren Atombutton gedroht und Kim Jong Un als fat Little Rocket Man bezeichnet. Da haben Kim bestimmt gleich die Knie geschlottert.
Tatsächlich verhandelt Kim Jong Un, weil seine Strategie voll aufgegangen ist und er seine Ziele dank Trump komplett erreicht hat. Er hat die Atombombe und er hat Raketen, die atomar bestückt US-Gebiet erreichen können. Er ist nun eine anerkannte Atommacht. Erreicht hat er beide Ziele nicht irgendwann, sondern in der Amtszeit von Trump unter dem vermeintlich massiven Druck, der tatsächlich vor allem aus dümmlichsten Tweets bestand. Warum sollte Kim jetzt weiter machen und mit welchem Ziel? Mehr erreichen kann er nicht. Ob er mit noch leistungsfähigeren Raketen auch Argentinien erreichen könnte, ist für seine Interessen komplett irrelevant.
Jetzt ist Kim Jong Un auf Augenhöhe und Trump gesteht dem nordkoreanischen Schlächter diese Augenhöhe mit einem bilateralen Gipfel auch vor den Augen der Weltöffentlichkeit zu. Nordkorea ist ein Zwergstaat, eine wirtschaftliche Pygmäe. Vom BIP her in der Gewichtsklasse von Äquatorialguinea oder Gabon. Mit sowas trifft sich ein US-Präsident normal nie. Aber Kim Jong Un zwingt Trump und dem mächtigsten Staat der Welt einen bilateralen Gipfel auf Augenhöhe auf. Da wedelt der Schwanz mit dem Hund und der Hund ist zu dämlich das zu bemerken. Er wird umher geschleudert und meint noch, er wäre es, der mit irgendwas wedelt.
Und genau das, was Trump in Sachen Nordkorea irrtümlicherweise für eine erfolgreiche Strategie hält, will er nun beim Iran wiederholen. Maximalen "Druck" machen (per Twitter - dem weltpolitischen Premiumwerkzeug - mit 140 Zeichen).